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Lieblingslieder bringen Demente in Bewegung

Projekt von Lionsclub Stade und Altenheim St. Josef trägt erste Früchte – Musik aus der Jugend stimuliert das Gehirn

Die Freude ist ihnen ins Gesicht geschrieben: Susanne Stelling (links) und Angela Peters haben einen Bewohner mit Musik versorgt.

Die Freude ist ihnen ins Gesicht geschrieben: Susanne Stelling (links) und Angela Peters haben einen Bewohner mit Musik versorgt.

Musik und Demenz“ heißt ein Projekt, das der Lionsclub Stade mit dem Katholischen Altenheim St. Josef vorm Schiffertor initiiert hat. Senioren, die von Demenz betroffen sind, sollen mit Musik aus ihrer Jugend zu neuem Leben erweckt werden. Die Ergebnisse sprechen für sich. „Wir sind beseelt“, sagt Betreuungskraft Angela Peters.
Ihr Lächeln und das ihrer Kollegin Susanne Stelling, Leiterin des begleitenden Dienstes, spricht Bände. Menschen, die tief versunken sind in ihrer Demenz, zeigen Reaktionen auf die Musik, die sie einst in jungen Jahren begleitet hat. Das Stader Seniorenheim ist erst die zweite Einrichtung in Deutschland, die mit „Musik und Demenz“ arbeitet.

Der Stader Lionsclub hatte sich der Idee in seiner Charity im vergangenen Jahr angenommen. Für zehn Euro verkauften sie Lose, mit dem Mitspieler unter anderem ein Auto gewinnen konnten. Die Charity wird auch dieses Jahr wieder angeboten für ein neues Projekt. Frank Münter und Peter Kühn vom Lionsclub erinnern sich noch gut: Der Verkauf der Lose 2019 ging so schnell wie noch nie über die Bühne. Peter Kühn: „Das Thema hat gegriffen.“ Demenz ist ein Thema, das viele Familien betrifft.
Mit dem Erlös schaffte der Club Kopfhörer, Playlisten, MP3-Player, einen Laptop und Musik-Gutscheine als technische Grundlage für „Musik und Demenz“ an, das auf dem amerikanischen Modell von „music and memory“ basiert. Mitarbeiter ließen sich schulen, auch mit einer Gruppe von Pflegeschülerinnen, die an den BBS 3 in Stade unterrichtet werden.

 

Nachdem auch die personellen Grundlagen geschaffen worden waren, ging es an die detektivische Arbeit: Welche Musik hat der demente Bewohner damals gehört? Entscheidend ist bei Frauen die Zeit zwischen dem 14. und dem 22. Lebensjahr, bei Männern zwischen 17 und 25. In dieser Zeit werde die Lieblingsmusik geprägt. Und während das Hirn im Alter zerfalle, bleibe das musikalische Gedächtnis erhalten, erklärt Einrichtungsleiter Patrick Jacobi. „Wir gehen mit den Senioren in die alte Zeit zurück“, sagt Susanne Stelling. Das scheint zu funktionieren.
Da ist der Senior aus der Schweiz, der gerne Chansons hört, da sind alte Pfadfinder-Lieder zu hören oder Walzer-Musik und Seemannslieder. Aber Vorsicht: Während des Musikhörens müssen die Senioren begleitet werden, sie dürfen nicht allein gelassen werden, so die ersten Erfahrungen. Denn Musik kann auch traurige Momente auslösen.

 

Zweimal die Woche 30 Minuten, das ist die angestrebte Dosis, die den Bewohnern verabreicht werden soll. Für die 100 Mitarbeiter in St. Josef bedeutet das bei 90 Senioren, davon fast zwei Drittel dement, einen enormen zeitlichen Aufwand. „Wir wollen nicht nur, dass unsere Bewohner satt und sauber sind, sondern streben auch eine psycho-soziale Betreuung an“, sagt Jacobi.
Der Aufwand scheint sich zu lohnen: Ist die richtige Musik ausgesucht, gibt es unmittelbare Reaktionen, erzählen Stelling und Peters. Zum Beispiel der Senior, der schwer dement ist, kaum sprechen kann und sehr langsam läuft. Seine Muskeln sind immer stark angespannt. Wenn er seine Musik hört, löst sich die Anspannung, der Mann ist gut zu Fuß und singt sogar Textpassagen mit. Andere fangen an zu tanzen, nehmen den Daumen hoch oder wippen zumindest mit dem Fuß. Auch kleine Zeichen sind große Fortschritte. „Endlich stellen sich bei der Betreuung von Dementen Erfolge ein“, sagt Patrick Jacobi.

 

Der Lionsclub hat noch Mittel, um ein weiteres Projekt mit „Musik und Demenz“ zu finanzieren. Wer Interesse hat, meldet sich beim Serviceclub.

 

Text und Foto: Lars Strüning/Stader Tageblatt